Kick-off+

Prävention und Beratung in Strafvollzug und Bewährungs­hilfe

Das Projekt „kick-off+“ existiert seit Juli 2017 und wird aktuell in der dritten Förderperiode im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Programmbereich Extremismusprävention in Strafvollzug und Bewährungshilfe sowie durch eine Kofinanzierung des Justizministeriums Schleswig-Holstein gefördert.

Kick-off+ wird von der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGS-H) im Trägerverbund mit dem Kieler Antigewalt- und Sozialtraining (KAST) durchgeführt und deckt dadurch sowohl den Bereich Islamismus als auch den Bereich Rechtsextremismus ab. Das Projekt soll gefährdete Personen gegen extremistisches Gedankengut stärken, Bedienstete in ihrer Handlungssicherheit festigen sowie Distanzierungsprozesse bei radikalisierten Personen im Justizvollzug sowie in der Bewährungshilfe einleiten und begleiten.

Handlungskonzept

Die Zuständigkeiten von kick-off+ umfassen diverse Arbeitsbereiche und richten sich damit jeweils an unterschiedliche Zielgruppen.

Kick-off+ bietet sowohl im Jugendvollzug als auch im Erwachsenenvollzug demokratiepädagogischen Unterricht an, um eine Stärkung gegen extremistisches Gedankengut zu fördern. In dem partizipativ gestalteten Unterricht sollen die Teilnehmer*innen über mehrere Wochen und Monate hinweg Demokratie und verschiedene Formen von Teilhabe praktisch erleben und durch die aktive Mitgestaltung in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Der Unterricht wird von Mitarbeiter*innen der TGS-H und KAST gemeinsam durchgeführt und ist phänomenübergreifend gestaltet. Zu den Erfahrungen und Konzepten aus dem Unterricht wurde eine gemeinsame Broschüre verfasst. Die Broschüre „Misch mit!“ sowie die dazugehörigen Arbeitsmaterialien finden Sie hier: https://kast-sh.de/demokratiepaedagogik/

Es werden verschiedene Fortbildungsformate für Bedienstete im Kontext Justiz sowie für Fachkräfte der Bewährungshilfe durchgeführt, in denen ihnen Kenntnisse zu Ideologien und Radikalisierungsprozessen vermittelt und sie befähigt werden, entsprechende Anzeichen zu erkennen und durch ihr Handeln eine Distanzierung von Radikalisierungsprozessen zu unterstützen. Es finden Fortbildungen sowohl für die Phänomenbereiche Islamismus und Linksextremismus (TGS-H) als auch zu Rechtsextremismus (KAST) statt. Im Phänomenbereich Islamismus werden die Fortbildungen gemeinsam mit PROvention, der Präventions- und Beratungsstelle gegen religiös begründeten Extremismus, durchgeführt.

Bedienstete im Kontext Justizvollzug und Fachkräfte der Bewährungshilfe werden zudem durch Fachberatung im Umgang mit mutmaßlich radikalisierten Personen unterstützt. Neben einer ersten Einschätzung der Person oder herausfordernden Situation steht der professionelle Beziehungsaufbau im Vordergrund und somit die Möglichkeit, Einfluss auf Deradikalisierungsprozesse zu haben.

In den Männervollzugsanstalten werden interaktive mehrwöchige Workshop-Reihen in festen Gruppen angeboten, in welchen beispielsweise über das Thema Männlichkeit sowie zu gesellschaftspolitischen Themen gesprochen wird. Durch die professionell angeleiteten Diskussionen in den Workshops sollen unterschiedliche Meinungen und Diversität sichtbar gemacht und ein gegenseitiges Verständnis gefördert werden. Hiermit wird durch die Förderung kritischen Denkens eine Resilienz gegenüber extremistischen Einstellungen unterstützt.

Sowohl im Jugendvollzug  als auch im Frauenvollzug werden regelmäßig Kreativwerkstätten angeboten.  Durch den Fokus auf kreative Tätigkeiten werden Denkprozesse angeregt und ein alternativer Zugang zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen erzielt. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen soll eine höhere Toleranz und ein vertieftes demokratisches Verständnis fördern. Durch die kreative Arbeit in den Gruppen werden bei den Teilnehmenden zusätzlich Ressourcen, Selbstwirksamkeit und Zusammenhalt gestärkt. Zum Beispiel entwickelten Jugendliche innerhalb einer Kreativwerkstatt im Jugendvollzug einen Podcast, in welchem sie auf ihre Biographien eingehen und gemachte Erfahrungen reflektieren.

Podcast: https://kast-sh.de/8-quadratmeter-der-gefaengnispodcast-der-ja-schleswig/

Außerdem werden in der Jugendanstalt Filmabende angeboten, in welchen Filme gemeinsam geschaut werden. Anschließend tauschen sich die Jugendliche über die in den Filmen angeschnittenen Themen aus. Dadurch wird die Beschäftigung mit emotionalen Themen erleichtert und ein positives Gruppenerlebnis geschaffen. Die Filmabende bieten Abwechslung zum Gefängnisalltag und fördern einen respektvollen Austausch untereinander. Dabei werden Medienkompetenz, Filmbildung sowie kulturelle Teilhabe und Kommunikation gefestigt.

Durch eine systemische Herangehensweise werden in intensiver Einzelbetreuung bereits radikalisierte Personen beraten. Hier sollen Distanzierungsprozesse eingeleitet und die Personen langfristig bei unterschiedlichen Herausforderungen und Themen begleitet werden. Hierbei werden durch den systemischen Beratungsansatz die Beratungsnehmer*innen darin gefördert alternative Perspektiven einzunehmen und eigene Lösungen zu erarbeiten. Zudem werden auch theologische Aspekte genutzt, um die Distanzierung von verfestigten extremistischen Einstellungen anzuregen. Die Betreuung erfolgt auch über die Entlassung aus der Haft hinaus sowie innerhalb der Bewährungszeit, um diese oftmals herausfordernde Zeit zu begleiten und die Wiedereingliederung zu unterstützen.

Kontakt

Sie erreichen uns von Montag bis Freitag zwischen 08:00 und 17:00 Uhr unter folgender Telefonnummer: 04 31 – 12 81 13 82.
Gerne können Sie uns auch außerhalb unserer Sprechzeiten eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter hinterlassen. Wir rufen Sie dann zeitnah zurück. Oder schicken Sie uns eine E-Mail an kick-off@tgsh.de

Team

Kick-off+ verfügt über ein multidisziplinäres Team, bestehend aus Islamwissenschaftler*innen, Pädagog*innen, Sozialwissenschaftler*innen, islamischen Theolog*innen und Politikwissenschaftler*innen. Zudem können die Mitarbeiter*innen als Team die Sprachen Arabisch, Persisch, Englisch und Französisch abdecken.

Kick-off+ wird gefördert durch: