Mehr als nur Memes – Antimuslimischer Rassismus digital
„Memes sind keine Randerscheinung in einer digitalen Gesellschaft. Sie sind die Sprache der Jugend“ – beim 15. Treffen des Facharbeitskreises Antimuslimischer Rassismus sprachen die Content-Creator*innen von thecringemuzlims über antimuslimischen Rassismus in Sozialen Medien. Auf ihrem gleichnamigen Instagram-Kanal klären sie mit Memes und Humor über islambezogene Themen auf. Den Teilnehmenden boten sie nun einen Einblick in aktuelle Trends der Online-Kommunikation.
Zurzeit etwa beliebt: Rage-Bait (dt. Wutköderung). Dabei handelt es sich um Inhalte, deren alleiniges Ziel es ist, zu provozieren. Nutzer*innen werden dadurch zum Kommentieren und Teilen eines Beitrags bewegt und verhelfen ihm so zu mehr Reichweite, da Algorithmen Interaktion als Signal für hohe Relevanz werten. Die Referent*innen betonten, dass antimuslimisch-rassistische Postings auf dieselbe Weise von negativen Emotionen befeuert werden. Sie verursachen Angst und Empörung durch Falschbehauptungen und erhalten dafür mehr Aufmerksamkeit als faktenbasierte Nachrichten.
Memes spielen hierbei eine große Rolle, wie die Referent*innen erklärten: „Sie sind […], womit heutige Diskurse geführt und geformt werden. Bilder und Stereotype[n] können verstärkt, aber auch angefochten werden“. Ein aktuelles Beispiel: der Talahon-Trend. Ursprünglich aus der Deutschrap-Szene, diente der Begriff (arab. Komm her!) zunächst der Selbstermächtigung (meist) männlicher, migrantischer Jugendlicher. Durch seine ironische Wendung in der Jugendkultur wurde er dann aber zunehmend von rechten Diskursträgern vereinnahmt und zu einem rassistischen Codewort umfunktioniert (z.B. „Orte mit niedriger Talahon-Spawnrate“).
Im Umgang mit provokanten Online-Inhalten und Desinformation raten die Referent*innen dazu, diese nicht aus Empörung heraus weiterzuverbreiten. Ziel soll es vielmehr sein, ihnen möglichst die Reichweite zu entziehen. Zudem ist es wichtig, Stereotypen sichtbar zu widersprechen und Betroffenen damit beizustehen.
Der FAK wird von den Projekten Vielklang, PROvention und diyalog veranstaltet, welche alle unter Trägerschaft der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V. stehen. Der FAK versteht sich als geschützter fachlicher Raum für Austausch, Reflexion und Zusammenarbeit im Bereich Antimuslimischer Rassismus, sowohl aus wissenschaftlicher, zivilgesellschaftlicher als auch praxisorientierter Perspektive.
Hier geht es zum Kanal von thecringemuzlims: https://www.instagram.com/thecringemuzlims/


