Im Rahmen des mittlerweile 14. Treffens des Facharbeitskreises Antimuslimischer Rassismus am 4. März 2026 – diesmal im Kieler Stadtteil Gaarden – hat Prof. Dr. Karim Fereidooni, Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum, die Strukturen und Dynamiken von Antimuslimischem Rassismus in Deutschland aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Hierbei ging der Rassismusforscher auf die Aspekte Bildung, Medien, öffentliche Debatten und die Perspektive von Betroffenen ein.
Fereidooni betonte, dass Antimuslimischer Rassismus längst kein Randphänomen mehr sei. Vielmehr begegne er Betroffenen täglich in Bildungseinrichtungen, in den Medien, im öffentlichen Diskurs und sogar innerhalb staatlicher Strukturen. Besonders problematisch sei dabei, dass viele dieser Formen subtil auftreten und gesellschaftlich oft nicht ausreichend hinterfragt würden.
Auch strukturelle Defizite wurden von Prof. Dr. Fereidooni benannt: Während es beispielsweise einen Beauftragten für Antisemitismus gebe, fehle eine vergleichbare Position für das Phänomen Antimuslimischer Rassismus. Gleichzeitig seien zentrale Reformen, wie die Überarbeitung von Schulbüchern und Lehrplänen bislang ausgeblieben. Studien und Empfehlungen würden von politischen Akteur*innen teilweise ignoriert oder abgelehnt. Als Beispiel hierfür nannte er die Darstellung des Islams und muslimisch gelesener Personen in Schulbüchern, welche fast ausschließlich in negativen Kontexten behandelt würden oder gar nicht erst auftauchten und somit unterschwellig entsprechende Stereotype und Vorurteile befördern würden. Stattdessen sei es erforderlich, auch differenzierte und lebensnahe Perspektiven in pädagogischen Materialien darzustellen.
Besonders kritisch bewertete der Wissenschaftler den Umgang mit vorhandenen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, welche viel zu selten für passende Maßnahmen gegen Diskriminierung in der Gesellschaft genützt würden.
Prof. Fereidooni betonte, dass ein persönlicher und respektvoller Kontakt zwischen Menschen unterschiedlicher Hintergründe ein zentraler Baustein zur Prävention von Rassismus sei. Durch positive persönliche Begegnungen könnten bestehende Stereotype aufgelöst werden, was langfristig zu einer inklusiveren Gesellschaft beitragen könne.
Der FAK wird von den Projekten Vielklang, PROvention und diyalog veranstaltet, welche alle unter Trägerschaft der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V. stehen. Der FAK versteht sich als geschützter fachlicher Raum für Austausch, Reflexion und Zusammenarbeit im Bereich Antimuslimischer Rassismus, sowohl aus wissenschaftlicher, zivilgesellschaftlicher als auch praxisorientierter Perspektive.
Neueste Kommentare